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Eichendorff, "Zwielicht"

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Eichendorff, "Zwielicht" - als Beispiel für die dunkle Seite der Romantik


Eichendorff gilt ja allgemein als jemand, der alles irgendwie auf Grund seines gut erhaltenen Kinderglaubens ins Positive wenden kann. Aber es gibt auch Gedichte von ihm, in denen das Dunkle, die Abgründe durchscheinen.

Ein solches Gedicht ist "Zwielicht", was zunächst einmal an die schöne romantische Konzeption der Lust an der Dämmerung erinnert, aber eben auch an "zwielichtig" erinnert. Und das ist dann der Bereich, in dem es gefährlich wird, in dem man sich zumindest nicht mehr wohl fühlt.
Eichendorff,

Zwielicht

Dämmrung will die Flügel spreiten,
Schaurig rühren sich die Bäume,
Wolken zieh’n wie schwere Träume -
Was will dieses Grau´n bedeuten?

Hast ein Reh du lieb vor andern,
Laß es nicht alleine grasen,
Jäger zieh’n im Wald’ und blasen,
Stimmen hin und wider wandern.

Hast du einen Freund hienieden,
Trau ihm nicht zu dieser Stunde,
Freundlich wohl mit Aug’ und Munde,
Sinnt er Krieg im tück’schen Frieden.

Was heut müde gehet unter,
Hebt sich morgen neu geboren.
Manches bleibt in Nacht verloren -
Hüte dich, bleib’ wach und munter!
Anmerkungen zum Gedicht:



  1. Strophe
    • Die erste Zeile beginnt ganz positiv, denn Flügel bedeuten Bewegung, kommen also der Sehnsucht des romantischen Menschen entgegen.
    • "Schaurig" in der zweiten Zeile schiebt die Dämmerung dann schon stärker ins Negative - und es kommen "schwere Träume" hoch - am Ende ist sogar von "Grau'n" die Rede. Jetzt möchte der Leser wissen, was denn da grauenvoll sein könnte.
  2. Strophe
    • Zu Beginn der zweiten Strophe geht es um etwas, was man liebt und was offensichtlich nach Meinung des Lyrischen Ichs bedroht ist.
    • Anschließend wird das Bild fortgeführt: Das Reh ist von Jägern bedroht.
    • Dem Leser bleibt es überlassen, was er selbst liebt - denn das Reh ist hier nur ein Beispiel aus dem Natur-Umfeld, das das Lyrische Ich gewählt hat.
  3. Strophe
    • Hier geht es jetzt über in den eindeutig menschlichen Bereich. Was um 1800 einen hohen Stellenwert hatte, nämlich die Freundschaft, wird hier völlig in Frage gestellt.
    • Allerdings muss beachtet werden, dass die Gefahr mit "dieser Stunde", also der Dämmerung, eben dem Zwielicht (siehe Titel) verbunden ist.
    • Geradezu ungeheuerlich die anschließende Unterstellung, was "Freundlich" aus "Aug' und Munde" komme, sei eigentlich die Vorbereitung von "Krieg im tück'schen Frieden".
  4. Strophe
    • In der letzten Strophe dann plötzlich die Wendung ins Positive, nämlich der Hinweis, dass das Negative einschließlich der depressiven Gedanken des Lyrischen Ichs nur damit zusammenhänge, dass es "müde" sei. Am Morgen erscheine es dann "neu geboren".
    • Die vorletzte Zeile wäre dann ebenfalls positiv zu sehen, nämlich dass das Dunkle gewissermaßen in der Nacht zurückbleibt.
    • Am Ende dann eine Art mittlere Lösung, nämlich sich selbst zu beschützen und "wach und munter" zu bleiben. Also nur noch Vor-Sicht statt des Gefühls einer schon sicheren Gefahr.
Das Gedicht zeigt,
  1. dass zu einer romantischen Stimmung eben auch aufkommende Ängste gehören,
  2. dass Abgründe sichtbar werden
  3. die auch die engsten menschlichen Beziehungen betreffen und gefährden können
  4. dass zur Romantik aber immer auch - zumindest für Eichendorff - der Blick in einen lichteren Morgen gehört und 
  5. dass letztlich nicht mehr nötig ist als Wachsamkeit.
Was die künstlerische Eigenart des Gedichtes angeht, so wird am Anfang deutlich, wie sehr äußere Natur und innere Seelenlage in Übereinstimmung sind. Dabei weiß man nicht, ob die "Dämmerung" die dunklen Gedanken und Gefühle ausdrücken oder diese sich nur die Dämmerung nehmen, um das auszudrücken, was schon im Inneren da ist.

Wichtig ist das Bild der Jagd, die hier nicht als "hegend", also schützend gesehen wird, sondern als Bedrohung des Lebens.

Am beeindruckendsten ist dann allerdings das Beispiel des Freundes, dem man nicht trauen kann. Auch hier gilt allerdings die Einschränkung: in "dieser Stunde".

Das Besondere ist hier hier auf jeden Fall die Verallgemeinerung.

Am Ende dann der Eindruck auch des Zwielichtigen er Aussage des Gedichtes. Auch sie bleibt eben in der Schwebe. Es ist halt ein typisch romantisches Gedicht, wo eben nicht die normale "Klarheit" der Wissenschaft, der Rationalität herrscht, sondern eine, die aus "Licht und Schatten" besteht (vgl. Novalis, "Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren").

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