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Was ist eigentlich wirklich? Die Frage nach der Realität und ihrer Wahrnehmung

Was ist wirklich? Die Antwort wird schwierig, wenn man die normale Sicht auf die Dinge infragestellt. Diese Seite hilft dabei - und auch bei möglichen Antworten.

Anmerkungen zum Schaubild:
  1. Ein Wanderer interessiert sich wahrscheinlich sehr für andere Wanderer? Kennen sie den Weg? Können sie eine Unterkunft empfehlen? Was für Kleidung tragen sie? Welche Ausrüstung haben sie dabei?
  2. Jeder Hundebesitzer kennt das, dass sein Tier nicht nur andere Interessen hat, sondern auch mit anderen Sinnesorganen ausgestattet ist. Auf weite Entfernungen erkennt er bereit einen anderen Hund - außerdem "liest" er die Duft-Hinterlassenschaften anderer Hunde mit Begeisterung und achtet vor allem auf Reviermarkierungen.
  3. Am Beispiel des Geigerzählers kann man gut erkennen, dass unsere Sinnesorgane nicht die ganze Wirklichkeit wahrnehmen, sondern nur das Spektrum, das wir gewöhnlich zum Überleben brauchen.'An Atomunfälle hat die Evolution bisher noch nicht gedacht.
  4. Das Beispiel mit der Ameise soll deutlich machen, dass hier ein Tier nur in den Räumen "denkt", die es beherrscht. Hier wird also die Oberfläche vorwiegend zweidimensional wahrgenommen. Dementsprechend können wir Menschen uns keine gekrümmten Räume im Weltall vorstellen.
  5. Beim Beispiel des Fußballexperten geht es um eine andere Art von Wirklichkeitswahrnehmung, nämlich die Bedeutungszuordnung. Ein Nicht-Experte sieht möglicherweise wirklich nur den Kampf um den Ball, ein Experte dagegen eine ganz bestimmte Spieltaktik.
  6. Dieses Beispiel soll zeigen, dass zu unserer Wirklichkeitswahrnehmung auch Aspekte der Schönheit gehören. Die Vorstellung davon ist sehr unterschiedlich. Zugleich kommt hier noch hinzu, dass manche Menschen automatisch Vor-Urteile gegenüber diesen Tieren haben, die mehr oder weniger berechtigt sind - auf jeden Fall gehören sie zu ihrer Wirklichkeitswahrnehmung und veranlassen sie zu entsprechendem Verhalten. Auf diese Verhaltensbeeinflussung sollen manche Bullterrier-Besitzer ja auch ganz eindeutig abzielen.
  7. Das Beispiel 4 kann einen noch auf die Idee bringen, dass viele Aspekte der Wirklichkeit gar nicht mehr vorgestellt, sondern nur noch mathematisch dargestellt werden können.
  8. Ein weiteres Beispiel ist die Infragestellung unserer Vorstellung von Materie: Wir glauben, auf festem Boden zu gehen, während es sich in Wirklichkeit um weitgehend leere Räume um Atomkerne herum handelt. Nur die Schalenbahn der Elektronen sorgt für den Anschein und die gefühlte Realität von Festigkeit.
  9. Noch ein Nachtrag: Wir sehen Schatten, wo ja eigentlich nichts ist, nämlich kein entsprechender Lichteinfall.
  10. Interessant auch das sog. "Beuteschema" bei der Partnerwahl.
  11. Damit hängt die allgemeine Bereitschaft des Menschen zusammen, das zu sehen, was er sehen möchte. Letztlich geht es ihm um die Bestätigung seiner Vor-Urteile. Das führt dann zum Beispiel zu der subjektiven "Erkenntnis", an einem bestimmten Ort regne es häufig. Oder am Freitag, den 13., sei es besonders gefährlich. Die positiven Belege dafür werden stärker gewichtet.
  12. An der richtigen Stelle eingeordnet werden sollte noch das Phänomen der Farbenblindheit. Das gilt zwar als gesundheitliche Einschränkung, führt aber zu der Frage, ob es nicht vergleichbare Einschränkungen gibt, die halt als normal gelten, weil fast alle Menschen sie haben. 
  13. Was ist mit Stimmungsaufhellern? Verändern die nicht auch unsere Wahrnehmung?

Interessante Ansätze bzw. Infos im Internet:
  • Karl Sumereder, "Wahrnehmung und Wirklichkeit": Eine breit angelegte Darstellung mit Einbeziehung der geschichtlichen Entwicklung der Sicht auf das Thema
  • https://www.wilhelm-gerbert.de/wahrnehmung-realitaet-und-wirklichkeit/ Allgemeine Einführung in die Thematik mit einigen interessanten Beispiel-Experimenten
  • https://www.holoversum.org/News-Wie-funktioniert-Wahrnehmung-und-was-ist-Wirklichkeit-item-18.html - Hier wird u.a. die Frage diskutiert, ob ein umfallender Baum auch ein Geräusch erzeugt, wenn kein Mensch es hört.
  • https://scilogs.spektrum.de/psychologie-des-alltags/wahrnehmung-wirklichkeit/ - Hier überzeugt der Vergleich des Menschen mit einer Spinne, die auch nur so weit in die Wirklichkeit hinausgreifen kann, wie ihr Netz reicht.
  • Kai Kupferschmidt, "Gehirnforschung : Die große Illusion" - Hier überzeugt der Hinweis, dass unser Gehirn es zu verhindern weiß, dass wir den Lidschlag der Augen wahrnehmen.
  • Dass es sogar Menschen gibt, die Gerüche wahrnehmen, die es in ihrer Umgebung gar nicht gibt, zeigt die folgende Seite:
    https://www.praxisvita.de/auch-gesunde-menschen-haben-halluzinationen-16324.html
Beispiel für ein Arbeitsblatt, das über Fragen zur Problemwahrnehmung führt:

AB: Was ist Wirklichkeit?

Wir Menschen neigen dazu, das, was wir um uns herum vorfinden, für die Wirklichkeit zu halten. Dabei zeigt schon das Wort „vorfinden“, dass wir Menschen dabei etwas tun – letztlich unser Gehirn. Wie unterschiedlich das geschehen kann, zeigen die folgenden Beispiele.
Beschreibe in Stichworten, was man an ihnen erkennen kann.

1.    Morgens auf dem Weg zur Schule - Polizisten stehen vor dem Eingang zum Schulgelände. Einige Schüler steigen spontan vom Fahrrad. Ein Tourist sieht die Polizisten und geht auf sie zu.
2.    Ein Hund rennt plötzlich davon, Frauchen/Herrchen ist irritiert.
3.    Warum brauchen Mitarbeiter des Katastrophenschutzes einen Geigerzähler?
4.    Wieso sehen manche Menschen bei einem Fußballspiel mehr als andere?
5.    Was wäre, wenn wir alle farbenblind wären?
6.    Wieso kann ein Physiklehrer seine Schüler bei der Vorstellung des Atommodells mit dem Hinweis erschrecken, es gebe unter ihren Füßen überhaupt keinen festen Boden?
7.    Warum können wir die 4. Dimension nicht sehen?
8.    Warum ist die Frage: „Was war vor dem Urknall?“ zwar sehr menschlich, aber mehr eben auch nicht?
9.    Warum gibt es den Schatten nicht so, wie wir ihn sehen?
10.    Wieso sehen Liebende sich gegenseitig anders als andere Menschen?
11.    Warum denken manche Menschen beim Betreten eines Raums: „Wow“ – und andere „O Gott!“?
12.    Warum glauben viele Menschen an die einfach gestrickten Horoskope der Tageszeitung?


Die Lösungen sind beim Autor abrufbar - siehe das folgende Kontaktformular.
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Anmerkungen zu diesem Schaubild:
  1. Ganz links eine Figur, die für uns als Beobachter, Empfindende der Wirklichkeit steht.
  2. Ihr gegenüber eine Wirklichkeit, gestrichelt deshalb, weil wir nicht einmal im Extremfall wissen, ob es sie überhaupt gibt oder in unserem Gehirn komplett produziert wird.
  3. Dann die "Filter", die die mögliche Wirklichkeit auf dem Weg in unser Gehirn beeinflussen, verändern.
  4. Ganz unten die Tatsache, dass wir wie ein Hund oder gar ein Floh ein Produkt der Evolution sind und nur überleben konnten, weil wir uns an die Umgebung angepasst haben. D.h. wir sehen bzw. empfinden  das, was für unser Überleben wichtig ist. Jemand, der zum Beispiel das Wärmegefühl im Arm verloren hat, wird ein Opfer einer heißen Herdplatte. Wer das heranrasende Auto nicht hört, kommt möglicherweise unter die Räder. Auf die mögliche Notwendigkeit einer Empfindung von Radioaktivität haben wir uns noch nicht einstellen können  oder müssen.
  5. Darüber die Kategorien, die Grundeinstellungen unseres Bewusstseins: Wir können nur in den Kategorien von Raum und Zeit denken und uns zum Beispiel nur 3 Dimensionen vorstellen. Wo wir etwas sehen, suchen wir nach Ursachen - beim Universerum möglicherweise umsonst - das geht über unser Denken und Vorstellen hinaus.
  6. Die Sprache ist dann nicht nur ein Zeichensystem, sondern sie beeinflusst auch unser Denken und Handeln. Solange es noch keine Bundeskanzlerin gab, hat sich kaum jemand so etwas vorgestellt. Diejenigen, die für eine "geschlechtergerechte" Sprache kämpfen, wissen durchaus warum: Die Herrschaft über die Sprache ist zum Teil auch Herrschaft über die Realität.
  7. Dann gibt es natürlich individuelle und kollektive Erfahrungen, die sich zum Teil in Sprüchen oder auch in Geschichten niederschlagen. Das gehört zum Beispiel zur Herausbildung einer Identität.
  8. Rechts sieht man all die Vorgänge, die zu einer Veränderung der Wahrnehmung durchaus des gleichen Objekts führen können. So staunt man etwa über das, was man früher mal über etwas negativ geäußert hat, das man inzwischen aber liebt.
  9. Oder: Jemand ist zum Bau-Fachmann geworden und sieht bei einer Hausbesichtigung deutlich mehr als ein ahnungsloser Interessent.
  10. Das Gleiche gilt für einen "erfahrenen" Trainer oder eine "erfahrene" Lehrerin.
  11. Wenn man schlechter hört oder die Dinge anders schmecken, beeinflusst das auch unsere Wirklichkeitswahrnehmung.
  12. Dann verändert sich natürlich auch die Sprache, man denke an die Bemühungen um einen angemessenen Umgang mit dem Wort "Neger".
  13. Dann gibt es natürlich auch die entsprechend veränderten kollektiven "Erzählungen", die zum Beispiel das Verhältnis der Europäer zur sog. "Dritten Welt" betreffen.
  14. Interessant auch ist, dass sich die Erinnerungen durchaus verändern können. In der Schule hat man über alles gestöhnt, später erscheint manches nicht mehr so negativ.
  15. Halten wir also fest: Es gibt gewissermaßen aktuelle Filter für unsere Wirklichkeitswahrnehmungen und es gibt Veränderungen im Laufe der Zeit, was die Wahrnehmung der Wirklichkeit angeht.

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