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Kaiserreich und Erster Weltkrieg


Das Folgende ist ein Auszug aus dem E-Book

"Geschichte für Durchblicker. Mit dem Lehrer auf Augenhöhe - im Unterricht und in Prüfungen,

das man zum Beispiel hier bekommen kann.

Vorab-Zusammenfassung
Was unterscheidet die Außenpolitik Bismarcks von der Wilhelms II.?
  1. Bismarck hatte durch drei Kriege und dabei einen Sieg über das stolze Frankreich die Reichseinigung erreicht - und das auch noch im Herzen Frankreichs, im Schloss von Versailles. Außerdem hatte er es nicht verhindern können, dass das Elsass und Lothringen an das Deutsche Reich abgetreten werden mussten.
  2. Er musste mit einer französischen "Revanche" rechnen. Auch deshalb ging es ihm anschließend nur um die Sicherheit des Erreichten und er setzte dabei auf eine enge Bindung an Österreich-Ungarn sowie ein gutes Verhältnis zu Russland.
  3. Als nach der Thronbesteigung des jungen Kaisers Wilhelms II. dieser mehr eine neue Weltpolitik wollte, musste er  1890 gehen. Der geheime "Rückversicherungsvertrag" mit Russland wurde nicht mehr verlängert.
  4. So konnte Frankreich 1894 Russland auf seine Seite ziehen und Deutschland drohte ein Zweifrontenkrieg.
  5. Dazu kam eine ziemlich unsinnige Flottenpolitik, die vor allem vom Kaiser gefördert wurde - damit wurde England ins Lager der Gegner getrieben. 1904 verständigte es sich mit Frankreich und 1907 mit Russland. Deutschland fühlte sich jetzt immer mehr eingekreist und
  6. was deshalb 1914 bereit, mit Österreich-Ungarn eine Art Befreiungsschlag zu wagen, nachdem der österreichische Kronprinz ermordet worden war - unter Beteiligung Serbiens, das von Russland geschützt wurde.
  7. Am Ende schlug Deutschland als erstes los, wollte schnell Frankreich besiegen, marschierte dafür durch das neutrale Belgien und brachte damit England endgültig auf die Seite von Frankreich und Russland.
  8. Der schnelle Durchmarsch im Westen scheiterte, im Osten konnte die Front stabilisiert werden. Auf den Meeren wurde Deutschland nicht mit seiner teuren Hochseeflotte aktiv, sondern nur mit U-Booten, was 1917 zum Kriegseintritt der USA führte.
  9. Gegenüber dieser Übermacht half es auch nicht mehr, dass Russland durch eine Revolution aus dem Krieg ausschied.
  10. Am Ende zeigte es sich, dass der Übermut der herrschenden Kreise in Deutschland maßgeblich dazu beigetragen hatte, dass nicht nur Millionen von Menschen starben, sondern auch die Sonderstellung der Europäer in der Welt vor aller Augen zusammenfiel. In der Folgezeit wurden die USA und die Sowjetunion zu Supermächten und konnten ein wiedererstarktes Deutschland unter Hitler ein für alle Mal besiegen - mit noch mehr Toten und einem unter deutscher Leitung begangenen Völkermord.

Kommen wir nun zu den Details.

20     1890-1914: Die Jahre Wilhelms II. im neuen Kaiserreich
Das von Bismarck gegründete zweite deutsche Kaiserreich hatte zwei große Phasen: Einmal die, in der der Reichsgründer selbst noch die Politik bestimmte und vor allem das Erreichte sichern sollte. Danach gab es eine, wo man sich fragte, ob das schon alles gewesen war, und man nicht einen noch besseren Platz „an der Sonne“ verdient
 hätte.
Um den Unterschied zwischen den beiden Phasen zu verdeutlichen, fassen wir zunächst noch einmal zusammen, was die Bismarck-Zeit auszeichnete,

20.1     Bismarck als weißer Revolutionär
Das Problem Bismarcks war, dass er letztlich das monarchische System erhalten wollte, oh-ne es einfach erhalten zu können. Man hat ihn auch als weißen Revolutionär bezeichnet, weil er zum Beispiel ohne Bedenken nach Siegen einzelne deutsche Monarchen in die Wüste schickte und auch in der Verfassung von 1871 keine Probleme damit hatte, das Volk auf er-staunlich moderne Weise sich in Wahlen artikulieren zu lassen. Er ging also davon aus, dass die meisten Deutschen dem Kaiser und dem Staat die Treue halten würden.

20.2     Bismarck als vorsichtiger Außenpolitiker
Seine Außenpolitik sah demgegenüber wie eine sehr fortschrittliche Politik des Ausgleichs und des Friedens aus. Nachdem er es nicht hatte verhindern können, dass die Militärs 1871 die Abtretung Elsass-Lothringens durch Frankreich erzwangen, wollte er vor diesem Hinter-grund wenigstens versuchen, dem Deutschen Reich eine friedliche Zukunft zu sichern.
Kernpunkt seiner Politik war die Notwendigkeit, das auf Revanche dringende Frankreich zu isolieren. Als natürlichen Bündnispartner sah er Österreich an, daneben wusste er, wie wich-tig das Wohlwollen Russlands gegenüber Deutschland war. Das hatte sich bei den preußi-schen Unionsplänen nach 1848 gezeigt - ohne Russland ging in Deutschland nichts. Da aber dieses Land in einem Dauerstreit mit Österreich auf dem Balkan lag, musste er irgend eine Lösung finden, die die drei Mächte zusammenhielt und auf jeden Fall verhinderte, dass Russland sich mit Frankreich zusammen tat.
Deshalb erfand er den so genannten Rückversicherungsvertrag, der beiden Staaten die Neutralität des jeweils anderen garantierte, wenn sie angegriffen wurden. Konkret bedeutete das, dass Frankreich nicht auf Russland zählen konnte und Österreich nicht auf Deutschland. Das Problem bei dieser schönen Lösung war nur, dass außer den beiden Regierungen nie-mand davon wusste, vor allem nicht das verbündete Österreich. Bismarck war damit auf dem Höhepunkt seiner Staatskunst angelangt, die konnte aber auf Dauer ohne Einbeziehung des Volkes und der Öffentlichkeit nicht funktionieren.

20.3     Bismarck ohne gleichrangige Nachfolger
Deshalb gab der Nachfolger Bismarcks, als dieser 1890 von dem neuen Kaiser Wilhelm II. entlassen wurde, den Gedanken dieser Art von Rückversicherung auch gleich auf, indem er den entsprechenden Vertrag nicht verlängerte. Im Ergebnis war das sehr gefährlich, denn schon vier Jahre später kam es zu der gefürchteten Annäherung Russlands an Frankreich. Als dann der neue Kaiser auch noch auf den wahnwitzigen Gedanken kam, zur stärksten Armee des Kontinents auch noch eine starke Flotte aufbauen zu lassen, machte er sich da-mit England zum Feind. Dieses bereinigte seine Probleme 1904 mit Frankreich und 1907 mit Russland. Damit konnten Deutschland und Österreich sich von dieser sogenannten Entente eingekreist fühlen, was sie mit dem Gedanken an einen Präventivkrieg spielen ließ.
21    1914-1918 – der Erste Weltkrieg als Urkatastrophe des 20. Jahrhun-derts
Auch wenn die Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 zu Recht wegen ihrer schrecklichen Folgen für Millionen Menschen heute noch im Zentrum der historischen Erinnerung steht, ändert das nichts daran, dass die Menschheitsverbrechen des 20. Jahrhunderts bereits ihre Grundlage eine Generation früher hatten. Von daher ist es überaus gerechtfertigt, den Ersten Weltkrieg als „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts zu betrachten.

21.1     Der Erste Weltkrieg – ausgelöst durch eine Automatik der Bündnisse
Als im Sommer 1914 – angestiftet von Serbien – der österreichische Thronfolger in Sarajevo ermordet wurde, nutzte zunächst Österreich und dann das von seinem Kaiser nicht genü-gend gebremste Deutsche Reich die Gelegenheit für den Plan, in einer äußerst risikoreichen Politik die gegnerische Koalition zu zersprengen.
In einem ersten Schritt sollte das mit Russland befreundete Serbien bestraft und als Macht-faktor ausgeschaltet werden. Das ging aber schon schief, weil Russland das nicht hinneh-men wollte. Als es seine Armee mobilisierte, meinte wiederum die deutsche Armeeführung, gegen Frankreich losschlagen zu müssen, um nach einem angenommenen schnellen Sieg im Westen alle Truppen nach Osten werfen zu können. Man kennt das als den berühmten „Schlieffen-Plan“.

Die Kriegsschuldfrage
Interessant ist die Frage, wer wieviel Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges trägt: Während die Deutschen nach ihrer Niederlage verständlicherweise alles taten, um sich von dem im Versailler Vertrag erhobenen Schuldvorwurf zu befreien, traf sie 1961 gewisserma-ßen der Hammer. Der Historiker Fritz Fischer behauptete in seinem Buch „Griff nach der Weltmacht“, es habe eine entsprechende Strategie der deutschen Regierung gegeben, was die Kriegsschuldthese zu erhärten schien.
Was in kaum einem anderen Land der Welt denkbar ist: Viele im Hinblick auf Politik und Ge-schichte engagierte bzw. interessierte Deutsche fühlten sich irgendwie wohl, fast befreit bei diesem Gedanken, obwohl er schon ihr Land von 1914 zu einem negativen Ausnahmefall der Weltgeschichte machte. Für viele Jahrzehnte galt Fischers These als bestätigte Basis des Verständnisses der deutschen Geschichte zumindest des 20. Jahrhunderts.
Umso interessanter ist es, wie unbefangen und differenziert-abgewogen die Historiker ande-rer Länder und besonders aus Großbritannien den Deutschen behilflich sind, doch irgendwie als ganz normale Menschen zu erscheinen, die natürlich auch Fehler machen, aber nicht oh-ne Hintergrund und damit auch zumindest Mitschuld anderer. Im September 2013 war es dann mal wieder so weit: Der englische Historiker Christopher Clark veröffentlichte eine Un-tersuchung über die Ursachen des Ersten Weltkrieges, in der die alte These  des englischen Premierministers David Lloyd George, die Völker Europas seien „in den Weltkrieg hineinge-schlittert“, neu aufgenommen wurde. Schuld sind danach eben nicht mehr allein weltmacht-wahnsinnige Deutsche, sondern eine ganze Politikergeneration von Paris über London, Ber-lin, St. Petersburg bis nach Wien, die zu viel gefährliche Stärke zeigten, weil sie sich eigent-lich schwach fühlten.
Mal sehen, wann sich die deutschen Schulbücher im Fach Geschichte auch in dieser Frage mehr um differenzierte Wahrheit als um masochistische Selbst-Kasteiung bemühen.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass immerhin eine der angesehensten Zeitungen in Deutschland, die Frankfurter Allgemeine Zeitung den Leitartikler Jasper von Altenbocku-mam am 2.1.2014, also zu Beginn des Jubiläumsjahres, auf der ersten Seite zusammenfassend feststellen lässt:
"Das Jubiläum fällt nun damit zusammen, dass die „Schuldfrage“ nicht mehr so beantwortet wird, wie das hundert Jahre üblich war. Die neue Formel, auf die sich ein Konsens der Historiker stützt, könnte stark verkürzt lauten: Es war nicht das Deutsche Kaiserreich, das diesen Krieg entfesselte, sondern alle europäischen Großmächte hat-ten gleichermaßen einen großen Anteil an der Katastrophe."

Der Blick auf die Wirklichkeit scheint sich also zu entkrampfen, von neurotischen Verengun-gen zu befreien. Die Vorstellung, im Falle der Deutschen gäbe es denn noch eindeutige Schwarz-Weiß-Verhältnisse, die keinem anderen Volk der Welt zugemutet werden, ver-schwindet langsam. Auch für sie gibt es jetzt die Chance auf gemischte Verhältnisse, auch was die Ursachen und Fragen der Schuld angeht. Der Preis für ihr (!!!) Versagen im Jahr der Entscheidung 1914 bleibt hoch genug, einschließlich der Zinsen bis mindestens 1989/90 und anscheinend noch darüber hinaus, wenn auch sich langsam abschwächend und auslaufend.

Wer übrigens etwas tiefer einsteigen will in die Gefühlslage der Deutschen zu Beginn des Ersten Weltkrieges, der hat dazu zur Jahreswende 2013/2014 in Bonn Gelegenheit. Dort gibt es nämlich bis zum 23.2.2014 in der Kunsthalle eine Ausstellung zum Thema „1914. Die Avantgarden im Kampf“. Dort wird deutlich, in welchem Ausmaß auch die angeblich so hellsichtigen Künstler von den Aussichten eines Krieges blenden ließen: In einem sehr informativen Artikel in der FAZ vom 9.11.2013 heißt es dazu auf S. 34: „Max Beckmann war der Ansicht, dass seine Kunst nun endlich „zu fressen“ kriege, Otto Dix gierte es nach den ‚Untiefen’ menschlichen Daseins, Franz Marc erhoffte sich ein reinigendes Gewitter für das verkommene Europa, Kokoschka hielt das Ganze für einen großen Abenteuerspielplatz, Klee dagegen für eine Zirkusvorstellung, deren malerische Verarbeitung Geld in seine leere Kasse zu spü-len versprach.“

Eine interessante Differenzierung des Blicks schlägt Peter Graf Kielmansegg in einem Artikel „Schuld und Halbschuld“ der FAZ vom 30.06.2014 vor. In einem ersten Schritt prüft er die Entscheidungen der Akteure – mit für Deutschland und vor allem Österreich-Ungarn nach wie vor vernichtenden Ergebnis: „Sie haben, wenn auch durch das Attentat provoziert, agiert, die anderen reagiert.“ Schwieriger wird es schon, wenn man die „komplexen Entscheidungs-konstellationen“ betrachtet – hier hatten nach Meinung des Verfassers die Entente-Mächte größere Spielräume als die sich von ungünstigen Entwicklungen bedroht und eingekreist füh-lenden Mittelmächte. Am wichtigsten ist wohl die dritte, weil grundlegende Ebene, nämlich die allgemeine Stimmung zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa: „Nichts fällt beim Studi-um der Quellen mehr auf als dieser gemeineuropäische Fatalismus.“ Lediglich bei England sieht der Autor „ein Bewusstsein von einer gemeinsam wahrzunehmenden Friedensverant-wortung“ – dieses verschwand dann, als die erste und zweite Ebene Deutschland zu seinen Kriegserklärungen an Russland und Frankreich und zum Einmarsch in Belgien verleitete.

21.2     Das Scheitern der deutschen Hoffnungen
Man weiß, wie die Geschichte ausgegangen ist: der schnelle Sieg im Westen gelang nicht, dafür hatte man wegen des planbedingten Einmarsches in Belgien auch noch England als Feind am Hals. Es kam zu einem zermürbenden Stellungskrieg und zum immer aggressive-ren Einsatz der U-Boot-Waffe gegen die englische Blockade. Dies führte dann zum Kriegseintritt der USA, was am Ende die Niederlage Deutschlands unvermeidlich machte, auch wenn zwischenzeitlich durch die Revolution in Russland dieses Land aus dem Krieg ausschied.
Wer übrigens wirklich begreifen will, was "Stellungskrieg" bedeutete, dass dazu nicht nur ge-hörte, knietief im Schlamm in einem Graben zu stehen, sondern auch durch schmale Löcher in enge unterirdische Höhlenräume kriechen zu müssen, immer in der Angst, verschüttet zu werden, der sollte sich die entsprechenden Passagen in Jörn Leonhards Buch "Die Büchse der Pandora : Geschichte des Ersten Weltkriegs" (München: Beck 2014) anschauen.

21.3     Das Ende des Krieges und seine Folgen
Am Ende lagen drei Kaiserreiche am Boden, dafür bestand die Chance, „to make the world safe for democracy“, wie es der amerikanische Präsident Wilson formulierte. Aber nicht er setzte sich im Versailler Vertrag durch, sondern das auf Wiedergutmachung und Niederhal-tung Deutschlands setzende Frankreich. Dies führte, verbunden mit der Angst vor der kom-munistischen Revolution, wie sie sich in Russland präsentiert hatte, zur Entstehung von Fa-schismus bzw. Nationalsozialismus, was schließlich einen noch viel schlimmeren zweiten Weltkrieg auslöste.
An dieser Stelle sei auf einen besonderen Aspekt der Kriegsschuldfrage hingewiesen. Durchaus üblich ist der Vergleich des Versailler Vertrags mit den Beschlüssen des Wiener Kongresses, die mit ihrem Bemühen um Ausgleich (was Schonung Frankreichs bedeutete) immerhin dazu geführt haben, dass fast 100 Jahre lang kein großer Krieg in Europa mehr stattfand. Kaum im Bewusstsein ist aber, in welchem Ausmaß man 1648 bemüht war, Wun-den zu schließen, indem man sogar eine Generalamnestie für alle Untaten und Verbrechen mit aufnahm. Bedauerlicherweise muss man auf solche Aspekte erst durch sehr randständi-ge Youtube-Dokumentationen wie die folgende aufmerksam gemacht werden:
https://www.youtube.com/watch?v=tZGTDK0E8oQ
Die dort behaupteten Zusammenhänge zwischen den Forderungen nach einer Anerkennung der alleinigen Kriegsschuld der Deutschen bzw. der Mittelmächte mit dem Rigorismus der Frühgeschichte der USA zwischen Ausrottungspolitik gegenüber den Indianern und der Poli-tik der sog. „reconstruction“ nach dem Bürgerkrieg können hier nicht überprüft werden. Schon auf den ersten prüfenden Blick scheinen sie auch nicht zu Wilsons idealistischen und auf Ausgleich bedachten 14-Punkten zu passen. Sie bleiben aber interessante Denk- und Forschungsanstöße, die helfen könnten, geschichtlich schwierige Fragen aus den immer gleichen Diskussionsnormen herauszulösen.

21.4    Exkurs: Starb Europa in Sarajewo?
Geschichte hat sicher die Funktion, über Ursachen und falsches Verhalten nachzudenken, auch wenn man nur begrenzt daraus lernen kann. Vor allem aber hält sie auch das Potenzial von Alternativen bereit - und da ist es schon eine interessante Frage, ob dieses Habsburger-reich als Vielvölkerstaat vielleicht ein Urbild eines nicht mehr auf Nationen fixierten Europas hätte werden können. Vor allem der in Sarajewo ermordete Thronfolger Franz Ferdinand hat-te sehr gute Absichten, wollte vor allem die Slawen stärker an der Regierung des Gesamt-staates beteiligen. Dementsprechend gering war die wirkliche Trauer über seinen frühen Tod. Aber der Kronprinz wäre vielleicht mit seinen Reformideen nicht nur an den politischen Machtverhältnissen gescheitert, er war auch eine psychisch stark belastete Figur, die ihre Seelenqualen vor allem auf der Jagd auslebte - er soll in seinem kurzen Leben 274 889 Stück Wild erlegt haben, wie in einer Rezension von Ludwig Winders Roman „Der Thronfol-ger“ in der FAZ vom 2. Mai 2014 hervorgehoben wird.
Von daher muss man wohl sehr zurückhaltend sein mit zu viel nachträglichen Hoffnungen, was Österreich-Ungarn als mögliche alternative Keimzelle eines nicht mehr nationalistischen Europas angeht. Aber es lohnt sich zumindest, darüber nachzudenken.

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